Mit "kontrolliertem Chaos" auf der Siegerstraße


Interimstrainer Daniel Ariens hat mit dem MTSV Selsingen II den perfekten Start hingelegt. Im Interview erklärt er seine Idee vom Fußball.

 

Als Daniel Ariens die zweite Herren des MTSV Selsingen Ende November 2017 zusammen mit René Albrecht übernahm, lag die Mannschaft am Boden. Nach bitteren, hohen Niederlagen und dem Sturz auf den vorletzten Platz war es oberstes Ziel, wieder ruhigeres Fahrwasser anzusteuern und den Abstieg in die 3. Kreisklasse zu vermeiden. Das gelingt bisher mit Bravour: Drei Spiele, drei Siege, 11:1 Tore und der Höhenflug bis auf Rang 4 in der Tabelle. Wo soll das noch hinführen? Wir haben uns mit dem "Erfolgscoach" unterhalten. 

Daniel, du bist jetzt seit rund vier Monaten Interimstrainer unserer Zwoten. Die Bilanz seitdem kann sich sehen lassen. Zuvor verlief die Saison eher durchwachsen. Wie zufrieden bist du mit deinem Einstand?

Natürlich sehr zufrieden. Die Situation kurz vor der Winterpause war für die Mannschaft nicht einfach. Man war auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht und musste empfindliche Niederlagen (2:8 gegen Wohnste, 0:6 gegen Nieder Ochtenhausen) einstecken. Dass nach dieser schwierigen Phase dann in den ersten drei Spielen neun Punkte erreicht wurden und wir uns vorerst aus der unmittelbaren Abstiegszone befreien konnten, freut mich daher natürlich sehr.

 

Wo habt ihr, René und du, angesetzt, um die Mannschaft aus ihrem Tal zu holen?

Dass die Mannschaft großes Potenzial hat, stand außer Frage. Wir haben uns gefragt, wie wir dieses Potenzial wieder herauskitzeln können. Zuerst ging es darum, den Jungs wieder Spaß und Leichtigkeit zu vermitteln. Aus fußballerischer und taktischer Sicht haben wir versucht, den Blick auf die Defensive zu richten und eine strukturierte Grundordnung in unser System zu bekommen. Dass unsere Offensive um Henning Schmidt und Christian Bösch kaum zu stoppen ist, wussten wir.

 

Vom Abstiegskandidaten zum Spitzenteam in nur drei Spielen. Oder fehlt euch noch was, um langfristig in der Liga oben mitzuspielen?

Es gibt nur ein Spitzenteam in der Liga. Und das ist der TSV Byhusen. Aber selbstverständlich hat unsere Mannschaft auch die Qualität, um längerfristig um die vorderen Plätze mitzuspielen. Allerdings sollten wir erstmal auf dem Boden bleiben und Realismus walten lassen. Wir haben jetzt drei hervorragende Spiele abgeliefert. Wir wissen aber auch, dass es nicht immer so weiter geht und es auch noch Rückschläge geben wird. Dann wird sich zeigen, wie weit wir wirklich schon sind. Zudem ist die Liga so eng zusammen. Zwei Niederlagen und du bist wieder mittendrin im Abstiegskampf. Aber natürlich können wir auch die Tabelle lesen. Sollten wir die nächsten drei-vier Spiele ähnlich erfolgreich gestalten, werde ich mich nicht weigern, mögliche Ziele zu korrigieren. Aber bis dahin liegt noch eine Menge Arbeit vor uns und heißt unser Ziel weiterhin der schnellstmögliche Klassenerhalt.

 

Wofür steht die Zwote deiner Meinung nach?

Die zweite Mannschaft hat zuallererst die Aufgabe, Spieler für die erste Mannschaft zu entwickeln und ihnen Spielpraxis zu geben. Nicht jeder talentierte junge Spieler kann sofort Stammspieler der Ersten werden. Oft braucht es da noch ein-zwei Jahre, bis sich die Spieler gerade aus körperlicher und taktischer Sicht an den Herrenbereich gewöhnt haben. Wir haben derzeit einige hochtalentierte Jungs wie zum Beispiel Lukes Böhme, Julian Burfeind, Jelle Brünjes oder Max Wilshusen in unseren Reihen. Die werden in einigen Jahren das Gerüst der Ersten bilden. Aber auf der anderen Seite brauchen diese jungen Spieler auch erfahrene Leute an ihrer Seite, von denen sie lernen können, und die Ihnen den Druck nehmen.

 

Und auf dem Platz? Was macht dieses Team aus?

Die Räume werden in der eigene Hälfte sehr klein gehalten und der Gegner soll hierdurch im Ballbesitz zu Fehlern gezwungen werden. Hierbei erwarten wir von den Spielern auch höchste Disziplin, Kommunikation und Einsatzbereitschaft. In der Offensiven haben die Spieler absolute Freiheit. Dort sollen sie frei entscheiden, ihrer Kreativität freien Lauf lassen und Verwirrung stiften. Ich nenne es "kontrolliertes Chaos". Die Spieler setzen diese Vorgaben bislang mit Disziplin, Leidenschaft und Mut hervorragend um und zeigen zugleich, dass eine defensive Denkweise keineswegs offensive Armut bedeutet.

 

Die Mannschaft scheint auf jeden Fall Bock auf deine Spielidee zu haben. Bekommt man da nicht Lust, den Weg langfristig weiter zu gehen? Klar, es macht viel Spaß. Die Mannschaft macht es einen im Moment auch recht einfach. Leider bin ich beruflich unter der Woche in Oldenburg, weshalb eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus für beide Seiten nicht optimal wäre. Dies war auch der Grund, warum ich im Winter gezögert habe, die Aufgabe anzunehmen. Dort bot sich dann aber die Möglichkeit, die Sache zusammen mit René Albrecht anzugehen. Das war für alle Beteiligten ein Glücksfall, da René mit der Trainingsarbeit unter der Woche eine enorme Entlastung und Bereicherung ist. Zudem bin ich auch noch für unsere S32 verantwortlich, welche für mich eine Herzensangelegenheit ist, der ich mich in der kommenden Saison nochmal intensiv widmen möchte.